Die KJF Klinik Josefinum, eine Einrichtung der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Augsburg e. V., wurde für eine Studie zur Behandlung des Prader-Willi-Syndroms (PWS) mit dem Posterpreis der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) ausgezeichnet. Verliehen wurde der Preis im Rahmen der Jahrestagung der Fachgesellschaft im März in Weimar.
„Wir haben in den vergangenen Jahren am Josefinum ein Behandlungszentrum für Kinder und Jugendliche mit Prader-Willi-Syndrom aufgebaut, das großen Zuspruch von Familien aus ganz Deutschland erfährt“, erklärt Oberärztin Dr. Constanze Lämmer, Kinderendokrinologin an der Klinik. „Die Auszeichnung ist vor allem eine Anerkennung unserer gemeinsamen Arbeit im interdisziplinären Team.“
Das Prader-Willi-Syndrom ist eine komplexe Erkrankung, die genetisch verursacht wird. Die seltene Erkrankung betrifft etwa eines von 20.000 Neugeborenen und stellt betroffene Familien vor große medizinische und alltägliche Herausforderungen. So droht bei dieser Erkrankung unter anderem die Entstehung einer schweren Adipositas, die zu lebensverkürzenden Folgekrankheiten führt.
Frühe Behandlung zeigt deutliche Effekte
Die nun ausgezeichnete Studie mit dem Titel „Je früher, desto besser: Ein multiprofessionelles Behandlungskonzept verbessert den BMI bei Kindern und Jugendlichen mit Prader-Willi-Syndrom (PWS)“ wurde von Dr. Constanze Lämmer gemeinsam mit Dr. Uta Werner, Dr. Johanna Schnitzlein und Priv.-Doz. Dr. Thomas Völkl, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, durchgeführt.
Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage, wie sich eine frühzeitige und kontinuierliche Behandlung und Betreuung auf die Entwicklung von Kindern mit Prader-Willi-Syndrom auswirkt. Am Josefinum werden hierbei durch das multiprofessionelle Team auch intensiv die Familien mit einbezogen und unterstützt.
Die Ergebnisse zeigen: Beginnt die Behandlung frühzeitig, möglichst vor dem Alter von vier bis viereinhalb Jahren, lassen sich deutliche Verbesserungen erzielen. So weisen rund 90 Prozent der Kinder, die früh in das Behandlungskonzept eingebunden werden, auch im Jugendalter keinen krankhaft erhöhten Body-Mass-Index auf.
„Bei einem frühen Therapiebeginn können wir die Entwicklung positiv beeinflussen und die Entstehung einer schweren Adipositas in vielen Fällen verhindern“, betont Priv.-Doz. Dr. Thomas Völkl, der Mitautor der Studie ist.
Multiprofessionelles Behandlungskonzept
Das Behandlungskonzept an der KJF Klinik Josefinum basiert auf einem multiprofessionellen Ansatz. Beteiligt sind Fachkräfte aus Kinderendokrinologie, Ernährungswissenschaft, Physiotherapie, Psychologie und Pädagogik. Gemeinsam begleiten sie die Kinder und ihre Familien langfristig und unterstützen sie im Alltag.
Ziel ist es, frühzeitig Strukturen zu etablieren, die eine gute Entwicklung der Kinder mit PWS fördern. Dazu gehören unter anderem individuelle Ernährungsstrategien, Bewegungsangebote sowie medizinische und psychosoziale Begleitung neben dem frühen Beginn der Wachstumshormontherapie.
Bedeutung für Familien mit Kindern mit Prader-Willi-Syndrom
Die Studie unterstreicht die Bedeutung eines frühen Therapiebeginns: Kinder mit Prader-Willi-Syndrom sind in den ersten zwei Lebensjahren noch nicht adipös. Dieses Zeitfenster ermöglicht es, präventiv zu handeln und langfristige gesundheitliche Folgen zu vermeiden.
Die KJF Klinik Josefinum zählt zu den größten spezialisierten Zentren für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Prader-Willi-Syndrom in Deutschland und betreut aktuell mehr als 250 Patient*innen.