Schlafmedizin im Josefinum
Schlafstörungen bei Kindern sind nach Literaturangeben „die häufigsten Verhaltensstörungen“ überhaupt, wobei der Übergang zwischen dem Normalen und dem Pathologischen fließend ist. Vor diesem Hintergrund wird im Josefinum seit vielen Jahren Kinderschlafmedizin betrieben. Dazu gehört neben unserer schlafmedizinischen Ambulanz (Dr. med. B. Hoch) und der Interaktionsbeobachtung über unsere Mutter-Kind-Interaktionstrainerin (Frau Felizitas Hauser) sozusagen als Herzstück das so genannte Schlaflabor zur Durchführung von Polysomnographien. Das Schlaflabor wurde 2006 als erstes Kinderschlaflabor in Bayern von der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin (DGSM) zertifiziert.
Angegliedert an unsere Station 2 aber von dieser etwas abgesetzt befindet es sich seit Juli 2007 in neuen Räumlichkeiten. Diese bieten größtmögliche Ruhe, um den nächtlichen Schlaf nicht durch die Geräusche der Stationstätigkeiten zu beeinflussen. Die technische Ausstattung wurde im Dezember 2006 komplett erneuert und entspricht modernstem Standard.
Häufige Krankheitsbilder sind Atmungspausen (sog. Apnoen) bei Säuglingen und Frühgeborenen durch Störungen des Atmungszentrums sowie bei jeder Altersgruppe durch Verlegung der Luftwege (z.B. Gaumenspalten, Dysmorphien, Hypertrophie der Adenoide oder Tonsillen).
Da nicht nur Tagesmüdigkeit sondern auch Impulsivität, Unkonzentriertheit und Hyperaktivität im Sinne eines ADHS durch gestörten Nachtschlaf verursacht werden können, kann auch in solchen Fällen die Polysomnographie indiziert sein.
Weitere seltenere Fragestellungen sind Narkolepsie („Schlafkrankheit“), Fehlwahrnehmung des Schlafs, Bewegungsstörungen im Schlaf (Jaktationen, Restless legs Syndrom, etc.) und viele mehr.
Abgeleitet werden klassischerweise zwei Nächte, um die nachgewiesene Verfälschung durch die ungewohnte Situation („first night effect“) zu vermeiden. Bei Säuglingen reicht üblicherweise eine Nacht aus. Spezielle Krankheitsbilder erfordern teilweise aber auch gesonderte Ableitebedingungen, z.B. wiederholte kurze Tagableitungen bei Narkolepsie („multipler Schlaflatenztest“).
Die Mitaufnahme eines Elternteils ist üblich und auch wichtig, um dem Kind einen möglichst vertrauten Rahmen zu bieten. Trotz der zahlreichen Ableiteelektroden und zugehörigen Kabel – registriert werden Hirnströme (EEG), Augenbewegungen (EOG), Muskelspannung an Kinn und Beinen (EMG), Brust- und Bauchatmung, nasaler Luftstrom, Herzaktion (EKG) und Blutsauerstoff – stellen sich die kleinen Patienten immer als sehr tolerante Schläfer dar und erstaunen oftmals ihre eigenen Eltern (Zitat: „Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie der mit diesen ganzen Kabeln überhaupt so friedlich schlafen konnte!“).
Nach Auswertung der umfangreichen Daten erhalten an einem der nächsten Tage die Eltern üblicherweise telefonisch Auskunft über die Ergebnisse, ein Arztbrief mit den Befunden und Empfehlungen geht direkt an den betreuenden Kinder-, Haus- oder HNO-Arzt.
Anmeldungen für die Schlaflaboruntersuchung wie auch die schlafmedizinische Ambulanz werden über das Sekretariat der Frühförderung (Frau Artmeier/ Frau Reißner) Tel.: 0821-2412-444 entgegengenommen. Ansprechpartner für schlafmedizinische Fragen sind Herr Dr. B. Hoch und Herr Dr. C. Uebler.